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Fotografieren im Infrarotbereich ermöglicht faszinierende Effekte. Ganz alltÀgliche Objekte erscheinen plötzlich in einem völlig neuen
Licht. BlattgrĂŒn wird zu weiĂ, das Blau des Mittagshimmels sowie Wasser viel dunkler. Die Bilder werden kontrastreicher und gewinnen an Brillanz. Von Infrarotaufnahmen geht oft eine mystische und geheimnisvolle
Wirkung aus.
Was ist Infrarot?
Als Infrarot wird jener Bereich des Lichts bezeichnet, der zwischen sichtbarem Licht und den Mikrowellen liegt. Der Mensch ist in der Lage,
elektromagnetische Wellen in einem Bereich zwischen etwa 380 und 780 nm zu sehen. Licht das kĂŒrzer als 380 nm ist bezeichnet man als UV-Strahlung. Licht das lĂ€nger als 780 nm ist als Infrarotstrahlung. Der Bereich
zwischen 700 und 780 nm gilt als Grenzbereich zwischen Dunkelrot und Infrarot.
FĂŒr die Fotografie ist vor allem das nahe Infrarot zwischen 780 und 1000 nm interessant, da Infrarotfilme
sowie die Sensoren moderner Digitalkameras in der Lage sind, dieses Spektrum aufzuzeichnen. Allerdings besitzen fast alle heutigen Kameras einen IR-Sperrfilter. Dieser befindet sich direkt vor dem Sensor und soll
verhindern, dass es aufgrund von Infrarotlicht zu FarbverfĂ€lschungen und UnschĂ€rfen kommt. GlĂŒcklicherweise sperrt dieser Filter das Infrarotlicht nicht vollstĂ€ndig aus, sodass es mit vielen Kameras
dennoch möglich ist, Infrarotaufnahmen zu machen.
Welchen Nutzen bietet Infrarot in der Fotografie?
Die Infrarotfotografie gibt es erst seit 1910. Damals entdeckte der US-amerikanische Physiker Robert W.
Wood mit Hilfe eines experimentellen Films, dass BlattgrĂŒn im nahen Infrarot strahlend weiĂ erscheint. Dieser Effekt wird seitdem als âWood-Effektâ bezeichnet.
Kurz nach Erfindung der Infrarotfotografie begann sich das MilitĂ€r fĂŒr sie zu interessieren. Infrarotstrahlung
kann Dunst und Luftverunreinigungen viel besser als das sichtbare Licht durchdringen. Daher lassen sich weit
entfernte Objekte besser im infraroten Bereich erkennen. Dies war vor allem fĂŒr die Luftbildfotografie von Bedeutung. Weitere Verwendung fand die Infrarotfotografie auch im Bereich der Astronomie, Medizin,
Kriminologie, ArchÀologie und weiteren Wissenschaftszweigen.
Farbige Infrarotaufnahmen gibt es erst seit 1942. Damals fĂŒhrte die Firma Kodak den Ektachrome Aero
Infrarotfilm ein. Einer seiner Nachfolger, der Kodak Ektachrome Professional Infrarotfilm, galt lange Zeit als
das Standardmaterial fĂŒr farbige Infrarotaufnahmen. Er besaĂ eine Empfindlichkeit von 380 bis 900 nm. Je nach eingesetztem Filter (grĂŒn, gelb oder rot) konnte man mit ihm unterschiedliche Farbwirkungen erzielen.
Allerdings besaĂ dieser Diafilm auch einige Nachteile. So war zum Beispiel sein Belichtungsspielraum
relativ klein. Zudem war er sehr temperaturanfĂ€llig. Vor dem Belichten des Films war es ratsam, ihn im TiefkĂŒhlfach zu lagern. AuĂerdem war er erheblich teurer als gewöhnliche Filme. Um ihn zu entwickeln,
musste er extra zum Kodak-Labor nach Lausanne (Schweiz) geschickt werden. Aufgrund stÀndig sinkender Nachfrage hat Kodak mittlerweile seine Produktion eingestellt.
Deutlich billiger kann man Infrarotbilder mit Digitalkameras herstellen. Diese haben seit Ende der 1990er
Jahre einen ungeahnten Aufschwung erlebt und analoge Kameras praktisch abgelöst.
Was sind die Vor- und Nachteile?
a) Vorteile
b) Nachteile
Infrarotfilter und Stativ erforderlich
lange Verschlusszeiten
sich bewegende Objekte werden unscharf
aufwendige Bildbearbeitung nötig
Welche Kameras und Objektive sind geeignet?
Fast alle Digitalkameras sind fĂŒr Infrarotbilder geeignet. Man kann dies auf einfache Weise selbst feststellen:
HĂ€lt man eine Fernbedienung in Richtung der Kamera und sieht man auf dem Display ein weiĂes Licht, wenn man auf eine ihrer Taste drĂŒckt, so kann die Kamera Infrarotlicht aufzeichnen. Nun fehlt nur noch ein
passender Infrarotfilter sowie ein Stativ und es kann losgehen.
Kameras mit schwachem IR-Sperrfilter sind geeigneter als solche, die nur noch wenig Infrarotlicht zum
Sensor gelangen lassen. Im Internet gibt es zahlreiche Erfahrungsberichte, welche Kameras IR-tauglich sind und welche eher nicht. Eine Suche ĂŒber Google kann hier weiterhelfen.
System- und Spiegelreflexkameras sind beim Anbringen des Filters grundsĂ€tzlich im Vorteil, da sie ĂŒber ein
Filtergewinde verfĂŒgen. Ein Gewinde haben jedoch auch einige hochwertige Kompaktkameras. Es gibt auch Kameras, bei denen der Hersteller einen Adapterring fĂŒr Filter anbietet, den man auf das Objektiv schiebt
(z.B. der AR-FXE01 von Fujifilm). Wenn keine Möglichkeit besteht, den Infrarotfilter zu befestigen, kann man ihn zur Not einfach vor das Objektiv halten.
Bei den Objektiven sollte man beachten, dass einige von ihnen sogenannte âHotspotsâ erzeugen. Dies ist ein
kreisrunder heller Fleck in der Bildmitte, der den Bildeindruck erheblich stören kann. Hotspots treten vor allem
bei viel Infrarotlicht und abgeblendetem Objektiv (Blende 11, 16 oder 22) auf. Welche Objektive zu Hotspots neigen, kann man in Internetforen herausfinden (Tipp: In Google eine Suche nach dem Objektivnamen und
dem Begriff âHotspotâ machen).
Welche Filter sollte man verwenden?
Als Standardfilter im Bereich der digitalen Infrarotfotografie gelten Filter im Bereich zwischen etwa 700 und
720 nm. Der Hoya R72 sperrt zum Beispiel das Licht unterhalb einer WellenlĂ€nge von 720nm, wĂ€hrend er das infrarote Licht darĂŒber passieren lĂ€sst. Das Ergebnis ist, dass die Kamera fast nur noch Infrarotlicht
aufzeichnet. Da dieser Filter zu einem geringen Teil auch sichtbares Licht durchlÀsst, sind auf dem Infrarotfoto hÀufig auch die Farben von Objekten erkennbar.
Beispiele:
B+W 092: 695nm
Heliopan RG715: 715 nm
Hoya R72: 720 nm
Nur fĂŒr SchwarzweiĂaufnahmen geeignet sind Filter zwischen 780 und 900 nm. Sie lassen kein sichtbares
Licht mehr durch, sondern nur Infrarot. Filter in diesem Bereich erzeugen einen noch stÀrkeren Kontrast, zum Beispiel zwischem dem Weià von Pflanzen oder GebÀuden und dem Schwarz des Himmels.
Beispiele:
Heliopan RG780: 780nm
Heliopan RG830: 830nm
B+W 093: 830nm
Besonders eindrucksvolle Farbaufnahmen lassen sich dagegen mit Rot- und Dunkelrotfiltern zwischen 580
und 665 nm erreichen. Sie sind jedoch nur fĂŒr solche (umgebauten) Kameras geeignet, bei denen der IR-Sperrfilter entfernt wurde.
Beispiele:
B+W 090: 590nm
B+W 091: 630nm
Heliopan RG665: 665nm
Welche Motive sind geeignet?
GrĂŒne BĂ€ume, Wiesen und Pflanzen eignen sich gut als Motiv. Das Chlorophyll frischer BlĂ€tter absorbiert
sichtbares Licht, wĂ€hrend es Infrarotlicht reflektiert. Dadurch erscheinen grĂŒne Wiesen oder BĂ€ume in Infrarotaufnahmen oft weiĂ.
Besonders interessant wird es, wenn weiĂe BĂ€ume vom Wasser eines Sees reflektiert werden.
Ebenfalls gut geeignet ist ein blauer Himmel. Dieser wird im Infrarotfoto oft dunkler bis hin zum schwarz.
Geradezu dramatische Effekte lassen sich erzielen, wenn sich weiĂe Wolken vor ihm abzeichnen.
Was gibt es bei den Aufnahmen zu beachten?
Der Sommer gilt gemeinhin als beste Jahreszeit, um Infrarotaufnahmen zu machen. Im Sommer haben die
Pflanzen die meisten BlÀtter und Triebe, wodurch sie am besten das infrarote Licht der Sonne reflektieren. Zudem ist im Sommer der Sonnenstand deutlich höher als in den anderen Jahreszeiten. Vor allem in der
Mittagszeit ist viel Infrarotlicht vorhanden. Das FrĂŒhjahr und der Herbst sind ebenfalls noch gut geeignet. Im
Winter ist die Sonnenstrahlung dagegen geringer. Die LaubbÀume haben ihre BlÀtter abgeworfen, Gras wird mitunter wochenlang von einer Schneeschicht bedeckt. HÀlt man die Augen offen, so sind jedoch auch in
dieser Jahreszeit schöne Infrarotaufnahmen möglich.
Aufgrund der Tatsache, dass ein Infrarotfilter fast das ganze sichtbare Licht schluckt, muss die
Bildkomposition mit abgenommenen Filter vorgenommen werden. Mit aufgesetztem Filter ist das Sucherbild bzw. Display (vor allem bei DSLR-Kameras) viel zu dunkel.
Bei DSLR-Kameras ist noch zu beachten, dass die Scharfeinstellung am besten ohne Filter vorgenommen
werden sollte. Nachdem dies erledigt ist, sollte der Autofocus am besten ausgeschaltet werden, damit sich das Objektiv spÀter beim Auslösen nicht wieder verstellt. Systemkameras erlauben dagegen hÀufig sogar mit
IR-Filter einen korrekten Autofocus.
Die Belichtungszeiten liegen in der Regel bei etwa 0,5 bis 15 oder noch mehr Sekunden. Kameras mit relativ
schwachem Infrarot-Sperrfilter erlauben kĂŒrzere Zeiten als solche, wo nur noch wenig IR-Licht auf den Sensor fallen kann. Ein Stativ ist jedoch unerlĂ€sslich um scharfe und verwacklungsfreie Aufnahmen zu erreichen.
Die einzige Ausnahme sind solche Kameras, bei denen der eingebaute Infrarot-Sperrfilter (hot mirror) durch
eine kleine Glasscheibe ersetzt worden ist. Solche Kameras können das gesamte Licht zwischen 300 und 1000 nm aufnehmen. Mit ihnen kann man sogar Infrarotbilder aus der Hand schieĂen! Doch auch sie
benötigen ein Infrarot(durchlass)filter. Zudem ist der Umbau kostspielig. Er sollte nur von Spezialfirmen vorgenommen werden. Durch einen unsachgemĂ€Ăen Ausbau des Sperrfilters kann leicht Staub ins
Kamerainnere und zwischen Sensor und Glasscheibe gelangen. AuĂerdem funktioniert der Autofocus nicht mehr genau. Dies gilt vor allem fĂŒr DSLR-Kameras.
Viele dieser Spezialfirmen bieten auch die Möglichkeit an, anstelle einer einfachen Glasscheibe gleich einen
richtigen Infrarotfilter vor den Sensor zu setzen. Dies bietet den Vorteil, dass man beim Fotografieren dann
keinen zusĂ€tzlichen IR-Filter (z.B. den B+W 091) mehr vor das Objektiv schrauben muss. Nachteil ist jedoch, dass diese umgebauten Kameras sich dann nur noch fĂŒr IR-Aufnahmen eignen. NĂ€here Informationen zum
Kamera-Umbau findet man hier.
Bei nicht umgebauten Kameras sollte man darauf achten, die Verschlusszeiten möglichst kurz zu halten. Dies
verringert nicht nur ungewollte BewegungsunschĂ€rfen im Bild (z.B. durch Wind), sondern auch starkes Rauschen und âHotpixelsâ. Allerdings sollte man den ISO-Wert nicht zu hoch wĂ€hlen, da dadurch meistens die
BildqualitÀt leidet.
FĂŒr alle Kameras gilt, dass man die Infrarotfotos am besten im RAW-Modus machen sollte. Im RAW-Format
kann der WeiĂabgleich der Fotos spĂ€ter mit Hilfe eines RAW-Konverters nachtrĂ€glich korrigiert werden. Dies klappt hĂ€ufig sogar besser, als wenn man den WeiĂabgleich manuell mit der Kamera erledigt.
Wie sollte der WeiĂabgleich vorgenommen werden?
Ein Foto mit automatischem WeiĂabgleich der Kamera wird bei aufgesetztem Infrarotfilter immer viel zu rot
wiedergegeben. Aus einem solchen Foto kann man zwar noch ein SW-Foto machen, aber kein gutes Farbfoto mehr. Es gibt jedoch wie bereits erwÀhnt auch die Möglichkeit, RAW-Konverter zu nutzen und dort
den WeiĂabgleich nachtrĂ€glich zu Ă€ndern.

Allerdings lassen einige RAW-Konverter nur eine Ănderung des WeiĂabgleichs bis zu 2000 Kelvin zu. Zu
diesen zĂ€hlt leider auch das viel genutzte Camera Raw von Adobe Photoshop. Abhilfe schafft bei diesem Programm der âDNG Profile Editorâ. Mit diesem kostenlosen Tool von Adobe kann ein Profil erstellt werden,
welches den WeiĂabgleichsbereich nach unten verschiebt. Eine genaue Anleitung, wie das gemacht wird, findet man auf dieser Seite.
UneingeschrĂ€nkt fĂŒr die Infrarotfotografie empfehlenswert sind dagegen folgende RAW-Konverter: Nikon
Capture NX2, Canon Digital Photo Professional, Olympus ib, Olympus Viewer 2 sowie Capture One 6. Letzteres ist sogar in der Lage, den WeiĂabgleich eines JPEG-Bildes noch zu Ă€ndern.
Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man jedoch einen manuellen WeiĂabgleich bereits beim Motiv
durchfĂŒhren. Die Kamera richtet man fĂŒr den WeiĂabgleich am besten auf grĂŒne Pflanzen oder Gras aus, da diese auf dem spĂ€teren Foto auch weiĂ erscheinen sollen. Der Infrarotfilter muss dabei auf dem Objektiv
sein. Tipp: Falls der WeiĂabgleich beim ersten Mal nicht funktioniert, einfach die Belichtungszeit etwas verlĂ€ngern!
Wie sollte die Nachbearbeitung der Fotos ablaufen?
Unbearbeitet haben die digitalen Infrarotbilder einen brÀunlichen bis roten Farbton und sehen meist wenig
ansprechend aus. Eine Nachbearbeitung ist daher in den meisten FĂ€llen erforderlich.
Ein einheitliches âRezeptâ wie diese Nachbearbeitung auszusehen hat, gibt es nicht. Jeder Fotograf folgt hier
seinen persönlichen PrÀferenzen. Dennoch gibt es einige grundlegende Arbeitsschritte, die man einhalten sollte:
Wenn vorher kein manueller WeiĂabgleich vorgenommen wurde und das Bild daher einen Rotstich hat, muss der WeiĂabgleich
in einem RAW-Konvertierungsprogramm (z.B. Capture One 6) durchgefĂŒhrt werden. Dazu klickt man mit der Pipette auf graue Felsen bzw. BĂ€ume oder Gras.
Falls dies erledigt ist, speichert man das Foto und öffnet es in einem Bildbearbeitungsprogramm wie z.B. Photoshop
. Dort fĂŒhrt man dann eine Tonwertkorrektur durch. Dadurch erhĂ€lt das Bild mehr Brillanz und Kontrast. Die Auto-Tonwertkorrektur von Photoshop leistet hierbei gute Dienste.
Danach wird im Kanalmixer ein Tausch des Rot- und Blaukanals gemacht. Hierdurch wird die
Farbe des Himmels wieder Richtung blau verschoben.
Um den jetzt noch vorhandenen Farbstich zu entfernen bzw. eigene farbliche Akzente zu setzen, wÀhlt man in Photoshop
Farbton/SĂ€ttigung und Farbbalance! Wichtig ist hierbei, jede (!) Farbe sowie auch die Lichter und Schatten zu berĂŒcksichtigen! Den Cyan-Wert sollte man so Ă€ndern, dass ein
natĂŒrlicher Himmelseindruck entsteht!
In meiner Galerie können Sie einige Beispiele fĂŒr Infrarotfotos ansehen. Viel SpaĂ!
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