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Kapitel 6

SKINBANDS

Die Musik der Skinheads wird im allgemeinen als „Oi-Musik“ bezeichnet. Wie im ersten Kapitel bereits erwähnt, entstand dieser Musikstil Anfang der 80er Jahre in Großbritannien. Zu Beginn war er noch stark vom Punk, Ska und auch Reggae geprägt, später flossen vermehrt Elemente des Hardrock und Heavy Metal ein.

Im Laufe der 80er Jahre begannen sich die Skinbands in zwei verschiedene Richtungen zu entwickeln: Einerseits in reine Oi-Bands, die eher unpolitisch orientiert waren und die in ihren Songtexten die Bedeutung des Skinseins fĂĽr sich selbst betonen wollten. Andererseits in Rechtsrock-Bands, die mit ihren Texten nationalistische, rassistische und ausländerfeindliche Botschaften zu transportieren versuchten. Zur ersten Kategorie zählten in der Bundesrepublik folgende Skinbands: Die Beck’s Pistols, Busters, Springtoifel,Lokalmatadore, Blechreiz, Butlers, Boots & Braces, Skaos und Vandalen. Zur letzteren gehörten Musikgruppen wie Freikorps, Landser, Störkraft und andere.

Die Medien und weite Teile der Öffentlichkeit setzen die Oi-Musik häufig pauschal mit dem Rechtsrock gleich. In Wirklichkeit jedoch spielten sogar zu Beginn der 80er Jahre nur die wenigsten rechts orientierten Skinbands reinen Oi!. Selbst die Stücke einer Band wie Skrewdriver hörten sich eher nach traditionellem Rock’N’Roll oder Heavy Metal als nach Oi!-Musik an. Skrewdriver-Sänger Ian Stuart äußerte zu diesem Thema in einem 1992 gemachten Interview folgendes: „...Ich war niemals für Oi!-Musik, da in England die Oi!-Bands aus den 70er und 80er Jahren linksgerichtet waren und wir immer rechts...“

Im Gegensatz zur Oi!-Musik ist der Rechtsrock viel politischer und – vor allem durch seine Texte – tendenziell auch aggressiver. Seine Basis bildet der Heavy Metal, während Oi! stärker dem Punk verbunden ist. Im Rechtsrock sind schließlich sogar Gitarrensoli und Balladen (ja sogar Balladenabende) häufig anzutreffen, was in diesem Ausmaß in der Oi!-Musik nicht vorkommt.

Rechte und eher unpolitische Skinmusiker haben eines gemeinsam: Sie sind relativ jung und in nicht wenigen Fällen noch Schüler oder Auszubildende. Ein erheblicher Teil von ihnen ist jedoch bereits berufstätig und verdient sich seinen Lebensunterhalt als einfache Arbeiter oder Angestellte (z.B. Maurer, Elektriker, Schlosser, Dachdecker, Verkäufer, Einzelhandelskaufleute). Viele sind auch arbeitslos. Nur die wenigsten von ihnen können sich von ihrer Musik ernähren. Selbst einigermaßen bekannte Gruppen erhalten für ihre Auftritte häufig nur eine Fahrtkostenerstattung, eine kostenlose Unterkunft sowie Freibier.

Die Skinbands bestehen ĂĽberwiegend aus drei bis fĂĽnf Mitgliedern. Einer bedient das Schlagzeug, ein anderer den Bass und ein dritter die E-Gitarre und das Mikro. Bei vier oder fĂĽnf Bandmitgliedern ist eines von ihnen meistens fĂĽr den Gesang freigestellt. Musikalisch stehen viele Rechtsrockbands dem Heavy Metal nahe, textlich den Neonazis. Nicht wenige rechte Bands fĂĽhlen sich jedoch nach wie vor der traditionellen Skinheadmusik verbunden. Unter musikalischen Gesichtspunkten sind sie kaum von den unpolitischen Skinbands zu unterscheiden, unter textlichen Aspekten jedoch sehr deutlich.

Aufgrund des negativen Images der Skinheads lehnen die meisten Plattenhersteller und Tonstudios eine Zusammenarbeit mit Skinbands grundsätzlich ab. Deshalb sind diese vielfach dazu gezwungen, ihre Musik entweder bei sich zu Hause oder in kleinen Studios zu produzieren. Dass dabei die Qualität nicht sehr hoch sein kann, versteht sich von selbst. Selbst bei Plattenlabeln aus der Independent-Szene hatten und haben die Skinbands vielfach keine Chance auf einen Vertrag. Eine Ausnahme bildete lange Zeit nur die Brühler Plattenfirma Rock-O-Rama (R.O.R.), die aber in der Szene einen schlechten Ruf genießt. Die CD-Produktionen dieser Firma sind in der Regel Billigpressungen auf unterstem Niveau, häufig liegt ihnen nicht einmal ein Booklet bei. Außerdem soll Rock-O-Rama bereits in den 80er Jahren viele junge Bands nicht korrekt an den LP-Verkäufen beteiligt haben (näheres hierzu im Kapitel 7 „Platten- und Versandfirmen“).

Obwohl seit Anfang der 90er Jahre von Skinheads eine Reihe eigener Plattenfirmen (z.B. Dim-Records) gegründet wurde, ist es für viele Skinbands nach wie vor schwer, eine CD zu produzieren. Und selbst wenn sie einen Plattenvertrag durchsetzen können, haben sie in der Regel kaum Chancen, an das ersehnte große Geld heranzukommen. Die Durchschnittsauflage einer Skinplatte liegt bei nur etwa 2.000 bis 4.000 Exemplaren. Meistens gelangen die Bands erst dann in die Schlagzeilen, wenn ihre Platten indiziert worden sind oder es während ihrer Konzerte zu Krawallen kommt.

Bis zum Beginn der 90er Jahre waren Kompakt-Kassetten das häufigste Verbreitungsmedium für die Skinmusik. Ihre Herstellung war viel billiger als Plattenpressungen, bei ihnen ließen sich auch viel eher radikale Aussagen unterbringen. Zwar werden Demoaufnahmen manchmal immer noch auf Kassette verbreitet, als Massenmedium sind sie jedoch mittlerweile von den Compact Disks (CDs) abgelöst worden. CDs bieten gegenüber Kassetten und Schallplatten eine Reihe von Vorzügen: Erstens ist die Wiedergabequalität erheblich besser, zweitens sind sie länger haltbar und drittens kann den CD-Hüllen ein Heftchen (Booklet) mit Texten und Fotos der jeweiligen Band beigefügt werden.

Viel Geld können die Skinbands selbst mit CDs nicht erzielen. Doch das ist den meisten von ihnen auch relativ gleichgültig. Von untergeordneter Bedeutung für sie ist auch, wie viel Geld sie für ihre Auftritte bekommen. Die Hauptsache ist nur, dass sie überhaupt auftreten können – was keinesfalls eine Selbstverständlichkeit ist. Das rechtsradikale Image der Skinheads hat dazu geführt, dass selbst unpolitische Bands wie Boots & Braces, SpringtOifel oder Beck’s Pistols häufig genug nur von rechtslastigen Veranstaltern eine Auftrittsmöglichkeit angeboten bekommen.

Die Konzerte selbst finden meistens fernab großer Städte statt. In der Regel wird für sie weder geworben, noch erfolgt in der Presse eine öffentliche Vorankündigung. Potentielle Konzertbesucher werden entweder über Skinfanzines verständigt oder telefonisch und per Mundpropaganda. Konspirativ werden vor allem Konzerte mit rechten Politrockbands organisiert.

Zu den Konzerten traut sich fast nur noch ein rechtes Publikum. Dieses besteht zwar vorwiegend aus Skinheads, aber nicht durchgehend. Meistens werden Skinheadkonzerte auch von einigen Normaljugendlichen (den sog. Normalos, auch Stinos = Stinknormalos genannt), Mode-Skins, Heavy-Metal-Fans oder Hooligans besucht. Bei „unpolitischen“ Oi-Bands sind manchmal auch Punks in größerer Zahl anwesend. Da viele Konzerte verboten werden und nicht wenige von ihnen von der Polizei aufgelöst werden müssen, wird der Ruf, dass es sich bei Skinkonzerten regelmäßig um rechtsradikale Veranstaltungen handelt, noch mehr gefestigt. Dieser Teufelskreis bereitet selbst der kommerziell erfolgreichen Kultband Böhse Onkelz bis heute Probleme. (...)

Der obige Text ist ein Auszug aus dem Buch Skinheads - Gefahr von rechts?.

Weitere Themen von Kapitel 6:

  • Die Böhsen Onkelz
  • Rechte Skinbands
  • Textaussagen
  • Konzerte
  • “Neue Deutsche Härte“

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Letzte Aktualisierung am 21 März, 2010


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