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SKINHEADS IN DER DDR
Die ersten Skinheads in der DDR gab es zunächst in Ost-Berlin. Nach westdeutschem Vorbild rasierten sich dort Jugendliche erstmals 1982
die Köpfe kahl. Es dauerte einige Jahre, bis die ostdeutsche Skinbewegung auch in der Provinz Fuß fassen konnte. Ihre Hochburgen hatte sie hier in Städten wie Potsdam, Frankfurt (Oder), Weimar, Leipzig und Erfurt.
Stärker noch als im Westen waren die ersten Ost-Skins vom Punk geprägt. Viele von ihnen waren ursprünglich Punks gewesen, hatten sich dann
aber zu Skinheads entwickelt. Sie besuchten anfänglich die selben Klubs wie die Punks und liebten die selben Bands. Und es gab noch eine weitere gemeinsame Vorliebe: Den Alkohol. Sowohl Punks als auch Skins hassten
den DDR-Staat, weil er sie zu sehr einschränkte und nicht imstande war, seine Versprechungen einzulösen.
Von Beginn an gab es neben den eigentlichen „echten“ Skinheads auch Mode-Skins. Diese legten sich das harte Outfit unter anderem deshalb zu,
weil es gerade „in“ war, mit kurzgeschnittenen Haaren und Bomberjacke herumzulaufen. Von den übrigen Skins wurden sie deshalb auch verächtlich als „Hilfs-Skins“ bezeichnet. Obwohl sie nur äußerlich zur
Skinbewegung gehörten und über die Skinkultur so gut wie nichts wussten, erweiterten sie doch das Lager der DDR-Skins ganz erheblich. Anfang 1989 existierten in allen DDR-Bezirken Skingruppierungen – besonders
viele in Ost-Berlin und Potsdam. Offiziellen Angaben zufolge soll es zu diesem Zeitpunkt ĂĽber 1.000 Skins in etwa 40 Gruppierungen gegeben haben.
Die Skinszene in der DDR war keineswegs von ihrem Pendant im Westen isoliert, ganz im Gegenteil: Sie wurde von Anfang an stark von ihm
beeinflusst. Man traf sich vor allem bei FuĂźballspielen oder Skinkonzerten in anderen realsozialistischen Staaten (z.B. in der Tschechoslowakei oder Ungarn). Dort konnten die DDR-Glatzen billig Szenekleidung und
LPs erstehen, was beides in ihrem Heimatland entweder nicht vorhanden oder viel zu teuer war. Eine LP der westdeutschen Kultband „Böhse Onkelz“ kostete zum Beispiel auf dem Schwarzmarkt zwischen 100 und 150
Mark, Doc-Martens oder eine Bomberjacke sogar 500 bis 1.000 Mark.
Mit KleidungsstĂĽcken und Informationsmaterial wurden die Ost-Skins auch von einigen in den Westen ĂĽbergesiedelten Skinheads versorgt, die zu
ihnen Kontakt hielten. Im Gegensatz zu Westdeutschland gab es in der DDR aber so gut wie keine Skinheadbands. Dies lag zum einen an Repressionen von Seiten der Staatsmacht, zum andern – und damit zusammenhängend
– an fehlenden Auftrittsmöglichkeiten.
Wie bei den westdeutschen Skins spielte auch bei den ostdeutschen die AusĂĽbung von Gewalt bereits frĂĽh eine zentrale Rolle. Indem man
kollektiv gegen Mitglieder anderer jugendlicher Subkulturen (z.B. Punks, Grufties, Heavy Metals) vorging, reagierte man soziale Frustrationen ab und hatte das Gefühl, stark und mächtig zu sein.
Gewalt gegen andere wurde von den ostdeutschen Skins anfangs meistens spontan und ohne festgeformte Ideologie im Hinterkopf durchgefĂĽhrt. Auch
Nazi-Parolen dienten zunächst vor allem dazu zu schockieren und gegen die Zwänge der realsozialistischen Gesellschaft zu rebellieren. Einige Skingruppen nahmen jedoch mit der Zeit rechtsradikale Ideologiefragmente
aus dem Westen auf[ und gingen in der Folgezeit auch gegen Ausländer vor – insbesondere gegen Vietnamesen, Afrikaner und Kubaner. SED-Mitglieder, Volkspolizisten und Homosexuelle wurden von ihnen ebenfalls gelegentlich angegriffen.
Was in der DDR ĂĽber Skinheads bekannt war, hatte seine Quelle in der Berichterstattung der BRD. Ende 1985 begannen die Westmedien (u.a. Der
Spiegel, Stern) damit, alle Skins als rechtsextrem zu stigmatisieren. Anlass dafĂĽr war die Ermordung von zwei TĂĽrken durch Naziskins in Hamburg. Da viele Ost-Skins nur sehr vage Vorstellungen von den UrsprĂĽngen
der Skinbewegung besaßen und auf jene Informationen angewiesen waren, die ihnen die westlichen Medien vermittelten, orientierten sie sich in der Folgezeit verstärkt an rechten Vorbildern. Rechtsorientierte
Skingruppen nahmen zu, während die eher unpolitischen Gruppierungen stagnierten oder sich nach rechts entwickelten.
Gerade rechtsorientierte Skingruppen nahmen nicht jeden auf, sondern nur diejenigen, welche ihre Auffassungen teilten. Ăśber Kontakte zu
neonazistischen Organisationen sowie Einzelpersonen in der BRD, in West-Berlin und Ungarn gelangten sie auch an Propagandamaterial. Einer ihrer Ansprechpartner war zum Beispiel Andreas Pohl. Pohl war zum damaligen
Zeitpunkt Schlagzeuger bei der West-Berliner Skinband „Kraft durch Froide“ sowie Vorsitzender des Berliner Landesverbandes der neonazistischen „Nationalistischen Front“.
Von den rechtsorientierten Skins differenzierten sich ab 1987 die „Faschos“, die sich auch selbst so bezeichneten. Nach außen hin eher
unauffällig und arbeitsam, waren sie die eigentlichen Träger neofaschistischer Anschauungen. Im Gegensatz zum Rest der Skins trafen sie sich streng konspirativ und operierten in geschlossenen Zirkeln.
Faschos waren etwas älter als die sonstigen Skins und nicht über die Punk- zur Skinbewegung gestoßen. Im Gegensatz zu vielen anderen
Skinheads besaßen sie in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung, was jedoch nicht bedeuten musste, dass sie auch in ihrem erlernten Beruf tätig waren. In der Öffentlichkeit waren sie mit ihren Losungen
und Parolen eher zurückhaltend und machten nur selten durch Schlägereien auf sich aufmerksam. Innerhalb der eigenen Gruppe diskutierten sie mitunter stundenlang über den Nationalsozialismus und dessen
Persönlichkeiten.
Einige Fascho-Gruppen wurden von Personen angeführt, die schon äußerlich als Anhänger der NS-Ideologie zu erkennen waren: Sie trugen ein
weißes oder braunes Oberhemd, eine schwarze Krawatte, eine Tuch- oder Stiefelhose, schwarze Lederstiefel, schwarze Lederjacken oder lange Ledermäntel usw. Manchmal hatten sie sich sogar einen HJ-Schnitt zugelegt.
Bis 1989 hatten sich die Fascho-Gruppen ĂĽber die gesamte DDR ausgebreitet. Ihre offen neonazistische Ausrichtung war bereits an ihren Namen
erkennbar: „NS-Kradstaffel Friedrichshain“, „Bucher Volkssturm“, „Freikorps Mengele“, „Gubener Heimatfront“, „NS-Kampfstaffel Thale/Quedlinburg“, „Söhne der Arier“, „SS-Division Walter
Krüger Wolgast“, „Wehrsportgruppe Schwedt/Gartz“, „Weimarer Front“ usw. In den meisten Kreis- und kreisangehörigen Städten gab es Fascho-Szenen, denen jeweils etwa 5 bis 50 Personen angehörten.
Ăśberregional standen sie miteinander in enger Verbindung. Zu diesem Zweck wurden teilweise sogar Kuriere eingesetzt und Info-Telefone eingerichtet. (...)
Der obige Text ist ein Auszug aus dem Buch
Skinheads - Gefahr von rechts?.
Weitere Themen von Kapitel 3:
- Der Staat und die Skinheads
- Ăśberfall auf die Zionskirche
- Ergebnisse offizieller Untersuchungen
- Ursachen des Rechtsextremismus
- Das Ende der DDR
- Nationale Alternative
- Untersuchungen nach 1989
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Letzte Aktualisierung am 13 Mai, 2013
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