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URSPRĂśNGE DER SKINHEADBEWEGUNG
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Die Skinheadbewegung entstand in den 60er Jahren in den Armenvierteln Londons. Dass es ausgerechnet das Londoner East End war, wo sich die ersten Skinheadgangs
bildeten, ist kein Zufall. In diesem traditionellen Arbeiterwohngebiet gab es besonders viele Hard Mods, hier zeigten die in der britischen Industrie eingeleiteten RationalisierungsmaĂźnahmen die
weitreichendsten Konsequenzen. Denjenigen Arbeitern, die unqualifizierte Routinearbeiten verrichten mussten und dabei nur wenig verdienten, standen in zunehmendem MaĂźe jene gegenĂĽber, die als hochspezialisierte
Facharbeiter und Angestellte ein relativ gutes Einkommen hatten und deren Ausbildungen den technologischen Veränderungen entsprachen.
Zeitgleich zu den Umschichtungsprozessen innerhalb der englischen Arbeiterschaft drohten groĂź angelegte Sanierungsprojekte ihr gewachsenes
Lebensmilieu allmählich zu zerstören. Vor allem in den größeren Städten Großbritanniens wie London, Birmingham, Liverpool, Newcastle und Glasgow wurden sterile Wohnsilos gebaut, mussten Tante-Emma-Läden neuen
Supermärkten weichen und Kneipen dichtmachen.
Sozial benachteiligte Jugendliche, die im Londoner East End lebten, waren von den Veränderungen besonders stark betroffen. Den
Leistungsanforderungen der Schule häufig nicht gewachsen, mussten sie ohnmächtig mit ansehen, wie ihr Wohnumfeld sich immer mehr veränderte, wie die Nachbarn von nebenan einen gutbezahlten Job hatten, während
die eigenen Eltern von sozialem Abstieg bedroht waren. Verstärkend wirkte noch, dass immer mehr junge Familien aus der Mittelklasse sowie auch viele farbige Ausländer in ihre Gegend zogen und das Image des East
End als geschlossenem Arbeiterwohnbezirk zu zerstören drohten.
Einige dieser Arbeiterjugendlichen reagierten auf diese Situation, indem sie die ihrer Ansicht nach gefährdeten traditionellen Werte der
Unterschicht (z.B. Männlichkeit, Kameradschaft, Sauberkeit, Disziplin) wiederzubeleben versuchten und ihren Lebensbereich (ihr „Revier“) aggressiv gegen alle „Eindringlinge“ schützen wollten.
Obwohl mit modischen Attitüden verknüpft, lehnte sich ihr Äußeres dann auch stark an das Aussehen eines Arbeiters an. Sie trugen feste Arbeitshosen (häufig Jeans), die von Hosenträgern gehalten wurden, ein einfaches Hemd und grobschlächtige Lederstiefel.
Nur wenig später kamen bei ihnen die Schuhe des Doktor Maertens (die sog. Doc Martens) in Mode. Diese wurden bereits seit Anfang der 60er Jahre
aufgrund ihrer robusten und fast unzerstörbaren Konstruktion als Arbeitsstiefel in Werften, Fabriken und auf Baustellen getragen. Ein weiteres Erkennungsmerkmal – die hinaufgekrempelten Hosenbeine – wurde hauptsächlich deshalb gezeigt, um die Schuhe besser zur Geltung bringen zu können. Zu diesem Erscheinungsbild kamen ab Mitte der 80er Jahre noch die Bomberjacke sowie andere Militärkleidung hinzu.
Betont wurde das maskuline und Härte ausstrahlende Aussehen dieser Jugendlichen noch durch ihren Kurzhaarschnitt. Von ihm leitete sich auch ihr
Name ab: Skinheads („Hautköpfe“). Jugendliche, die dieser
neuen Subkultur angehörten, wurden deshalb so bezeichnet, weil man durch ihre sehr kurz geschnittenen Haare die Kopfhaut sehen konnte. Glatzen wurden jedoch erst ab etwa 1976/77 zum eigentlichen Markenzeichen der
Skins. Besonders in den Anfangsjahren gab es keinen von ihnen, der einen völlig kahlrasierten Kopf zur Schau trug.
Das äußere Erscheinungsbild der Skins sollte zum einen ihre Verwurzelung im proletarischen Milieu verdeutlichen, ihre Herkunft aus der
Arbeiterklasse. Andererseits war es auch eine Art von Opposition gegen die zu dieser Zeit gerade unter den Studenten stark verbreitete Hippie-Kultur. Hippies wurden von vielen der aus den Slums der englischen Industriestädte
stammenden Arbeiterjugendlichen nicht nur abgelehnt, weil ihnen ihre langen Haare nicht gefielen und sie sie für zu unmännlich, zu weich und zu schwächlich hielten. Sie gingen auch deshalb zu ihnen auf Distanz, weil viele Hippies wohlsituierten
Bürgerfamilien entstammten, weil sie bessere Schulen besuchen konnten und weil sie Diskussionen und Sit-ins gewalttätigen Aktionen vorzogen.
Die Kleidung der Skinheads war jedoch von Beginn an keineswegs so uniform, wie es die Medien vermittelten und wie es von späteren
Skingenerationen, die nichts von den Ursprüngen wussten, bereitwillig übernommen wurde. Sie bestand nicht nur aus Bomberjacken, schweren Stiefeln, Jeans, T-Shirts und Hosenträgern. Wenn sie abends oder am
Wochenende ausgingen, zogen sich die ersten Skins auch feinere Sachen an – vor allem gepflegte Anzüge, teure Schuhe (die sog. „Brogues“ und „Loafers“) sowie T-Shirts und Pullover der Firmen Fred Perry,
Pringle und Lonsdale. Beliebt waren auch Ben-Sherman-Hemden. Bei weiblichen Skinheads standen zu dieser Zeit Kostüme und Miniröcke hoch im Kurs.
1.1 EinflĂĽsse jugendlicher Subkulturen
Die Skinheads wurden nicht nur durch das Arbeitermilieu geprägt, aus dem die überwiegende Mehrheit von ihnen stammte, sie erhielten auch aus
einer anderen Richtung entscheidende Impulse: Jugendliche Subkulturen wie die „Hard Mods“ und „Rude Boys“ waren ihre unmittelbaren Vorläufer.
Die Hard Mods waren ein Teil der englischen Modbewegung (siehe unten). Wie bei den anderen Mods waren auch bei den Hard Mods noble Kleidung und
chromblitzende Vespas sowie Musikstile wie Ska und Northern Soul sehr beliebt. Betont „cool“ an alles heranzugehen war für sie selbstverständlich. Das Konsumieren von Aufputschmitteln war ein weiterer
wichtiger Bestandteil ihres Lebensstils.
Was die Hard Mods von den übrigen Mods unterschied, waren ihre noch bescheideneren Einkommensverhältnisse. Auch die Mods hatten häufig nur
wenig Geld, um sich ihren aufwendigen Lebensstil leisten zu können. Die Hard Mods stammten dagegen ganz überwiegend aus Elternhäusern, die nach heutigen Maßstäben nur als arm bezeichnet werden können.
Einem anderen subkulturellen Milieu als die Mods gehörten die Rude Boys an. Die Rude Boys – die häufig auch einfach nur „Rudies“ genannt
wurden – waren Söhne farbiger Einwanderer, die von Jamaika oder den Westindischen Inseln nach Großbritannien gekommen waren. Sie trugen bereits ganz offen einen extremen Kurzhaarschnitt (englisch: crop), der
später von den Skinheads kopiert wurde. Weitere Stilmerkmale, welche die Skins von den Rudies übernahmen, waren die hochgekrempelten Jeans sowie die Hosenträger (englisch: braces).
Die Rude Boys hörten hauptsächlich Ska- und Reggaemusik, die sich von Jamaika nach England ausgebreitet hatten. Mit Ska und Reggae, zu denen
man exzellent tanzen konnte, verbanden sich die Namen von Musikern wie Judge Dread, Laurel Aitken, Derrick Morgan, Prince Buster, Desmond Dekker und Bob Marley. Ska und Reggae waren (zusammen mit Soul) auch bei den
ersten Skinheads sehr beliebt.
Doch zurück zu den Mods. Der Begriff „Mods“ leitet sich von dem englischen Wort modernists („Modernisten“) ab. Entstanden war diese
neue Jugendbewegung Ende der 50er Jahre in den Clubs und Cafés des Londoner Stadtteils Soho. Die Mods erhielten ihren Namen durch ihre auffallende, scharf geschnittene Kleidung, die auf den damaligen Betrachter
tatsächlich modern wirkte.
In den Jahren 1962 bis 1964 sorgten die Mods in ganz England fĂĽr Schlagzeilen, weil sie in einigen KĂĽstenkurorten (vor allem Brighton) an
Krawallen mit Rockern beteiligt waren. Viele Mods entstammten Elternhäusern, die Soziologen als „untere Mittelschicht“ bezeichnen würden. Die meisten von ihnen absolvierten nur eine kurze Ausbildung und
verdienten sich ihren Lebensunterhalt als einfache Verkäufer oder Büroangestellte.
Ihren unattraktiven Status versuchten die Mods durch teure und elegant wirkende Kleidung, Fahrten mit ihren Motorrollern („Scootern“), eine
aufregende Lebensweise sowie durch den Genuss von Aufputschmitteln (hauptsächlich Amphetamine) zu kompensieren. Kultstatus hatte bei ihnen die Rockgruppe „The Who“, welche 1965 ihren berühmten Song „My
generation“ veröffentlichte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Mods jedoch bereits ihren Höhepunkt überschritten. Während der reichere Teil von ihnen im britischen Establishment oder der Hippiebewegung aufging,
wandelte sich der ärmere zu den Hard Mods – und kurze Zeit später zu den Skinheads.
Neben den bereits erwähnten Subkulturen wie den Hard Mods und Rude Boys wurde die Entwicklung der Skinbewegung noch durch die Existenz einer
dritten englischen Jugendgruppierung gefördert: Den Boot Boys der Fußballstadien. Nach der gewonnenen Weltmeisterschaft 1966 kam es auf der Insel zu einem wahren Fußball-Boom, in dessen Folge fast jeder größere
Verein seinen eigenen Boot Boy- bzw. Hooligan-Anhang bekam. Im Unterschied zu den anderen Fans zogen sich die Boot Boys schwere Stiefel (die sog. „Boots“, woher sich auch ihre Name herleitet) sowie einfache
Hemden und Jeans an. Sie feuerten ihre Mannschaft nicht nur bei Heimspielen an, sondern begleiteten sie auch zu Auswärtsbegegnungen. Damit waren Konflikte mit gegnerischen Fans vorprogrammiert.
Aus den Reihen der Boot Boys entstammten in den Jahren 1967 bis 1969 viele der ersten Skinheads. Obwohl sie ähnliche Kleidung wie die Skins
trugen, spielte bei den Boot Boys die Musik und Mode nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger waren die eigene Gang, Kneipenbesuche und Randale bei FuĂźballspielen. (...)
Der obige Text ist ein Auszug aus dem Buch
Skinheads - Gefahr von rechts?.
Weitere Themen von Kapitel 1:
- Bedeutung des FuĂźballsports
- Aufschwung und Niedergang
- Punk
- EinflĂĽsse der National Front
- Filmkritik “Rude Boy” (von und mit The Clash)
- Southall und die Folgen
- Skrewdriver
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Letzte Aktualisierung am 13 Mai, 2013
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